Familie Flohpopo

Familie Flohpopo – ein Katzenschutz-Projekt in Köln

Dieses „Projekt“ existierte ganze 19 Jahre – von 2001 bis 2020. Ursprünglich waren es 27 Katzen, dann lange Zeit 23. Es sollte eigentlich nur eine Kastrationsaktion werden: einfangen, zum Tierarzt bringen, abholen, freilassen, fertig. Doch dann hat sich die ganze Bande innerhalb kürzester Zeit in mein Herz geschnurrt.


Unsere Geschichte

Die muntere Truppe von ursprünglich gut zwei Dutzend Katzen wohnte in den Hintergärten in einem Vorort von Köln in herrlicher Waldrandlage.

Gefüttert wurden sie von einem älteren Mann, der sehr tierlieb zu sein behauptete. Aber wenn sich die Nachbarn über die Überzahl beschwert hatten, sagte er, er habe keine Zeit sie einzufangen und kastrieren zu lassen. Einen Tierarzt hatten sie alle nie gesehen und dementsprechend wussten sie nichts von Impfung, Entwurmung oder Flohbekämpfung (und leider sah man ihnen das auch an). Sie haben alle draußen gelebt, geschlafen irgendwo in der Umgebung, im Heu oder in Schuppen oder in der Behausung des Mannes, der kaum da war.

So kam es dann schließlich, dass es mitunter über 30 Katzen waren – keiner hatte da mehr den genauen Durchblick. Einige sind leider überfahren, vergiftet und auf andere Weise ums Leben gekommen. Ein paar von ihnen haben angeblich als Baby ein neues und hoffentlich gutes Zuhause gefunden.

Das Problem war, dass die Katzen nicht die besten Erfahrungen mit den Zweibeinern gemacht hatten. Die meisten wurden im Freien geboren und ihre Mütter hatten sie vor den Menschen „gewarnt“. Die wenigsten haben sich von dem Futtermann anfassen lassen, viele Nachbarn haben sie mit Händeklatschen verjagt oder Gegenstände nach ihnen geworfen.

Na, jedenfalls ist der Mann dann weggezogen, hat aber 5 oder 6 der zahmen Katzen mitgenommen – sagte er. Er kam zwar zunächst öfter, um die anderen heimlich zu füttern, aber als die Nachbarn das bemerkten, wurden sämtliche Zäune mit Stacheldraht erhöht.

Einige Grundstücke weiter habe ich irgendwann von meinem Schreibtisch aus mitbekommen, wie sich 3 Kater an eine Katzendame „ranmachten“. Da wir vor vielen Jahren schon einmal eine Katzenschwemme hatten und ich mich gut daran erinnern konnte, welches Elend damit verbunden war, wollte ich unbedingt verhindern, dass es noch mal dazu kommen könnte. Mir war nur überhaupt nicht klar, wie große diese Katzenfamilie sein mochte. Ich hatte immer nur eine rote, eine schwarze, eine getigerte und eine schwarz-weiße Katze gesehen. Also wandte ich mich ans Tierheim, wurde von dort an einen Tierschutzverein verwiesen und damit began eine größere Geschichte:

Der Nachbar, der das ganze Dilemma verursacht hatte, fühlte sich in keiner Weise verantwortlich und war irgendwann ganz verschwunden. Ich startete eine Anfütterungsaktion in unserem Garten und servierte zweimal täglich diverse Köstlichkeiten. Nur: So ganz umsonst war das Futter nicht … Das wussten die Katzen anfangs natürlich nicht – und schwups! – fiel für die ersten recht schnell, für manche früher, manche später – aber am Ende für jede die Klappe. Und zwar die der Katzenfalle.

Das war entsetzlich! Eingesperrt, ein Mensch, der ihnen zu nahe kam und sie in einen noch engeren Käfig sperrte, ins Auto packte, zur Tierärztin brachte – Gerüche, Geräusche, fremde Stimmen, andere Tiere, angefasst werden – Panik – bis der tiefe Schlaf kam!
Nach ein paar Tagen bei der Tierärztin durften sie dann wieder bei uns im Garten freigelassen werden.

Was sie daraus gelernt haben? NIE WIEDER DOSENFUTTER ANNEHMEN!

Okay, nach 2 Tagen konnte man ja nochmal gucken gehen und wenigstens schnuppern… mhm, wenn die anderen sich auch alle dahin trauen, kann’s ja nicht sooo gefährlich sein… und Mäuse sind ja auch ziemlich knapp geworden… Wenn Alfred ja sogar zu dieser Frau rennt und heftig schnurrt… Ach, was soll’s! Der Hunger war stärker!

So oder ähnlich hatte jede wahrscheinlich jede Katze gedacht und fast alle waren auch wieder zum Füttern gekommen. Oft haben sie sogar nochmals versucht, das leckere Futter in der Falle zu erhaschen (Pah! Was konnte da schon passieren, was sie nicht schon kannten!), aber ich wollte da nur bestimmte Katzen rein lassen und habe die anderen weggeschubst. Frechheit! Erst als alle 27 kastriert waren, verschwanden die Fallen.

Das Leben war also gar nicht mal so übel: neue Bleibe mit Frühstück und Abendessen und für die, die es wollten (Alfred, Mimi und Smiley jedenfalls) tägliche Fellmassage. Außerdem wurden die Schnupfnasen wieder richtig fit, alle nahmen an Gewicht zu, das Fell wurde glänzender und dichter (lag es an der Aufbau-Spritze oder an der leckeren Hühnerbrühe?). Ein Hund, der sie hin und wieder aus dem Schlaf aufscheuchte und die Sache mit dem “Wer-mag-wohl-der-beste-Liebhaber-sein” fiel ebenfalls endlich weg – keine nächtlichen Raufereien, kein ständiges Umwerben und keine Körbe mehr… 🙂

Wenn da nur ein paar von ihnen besser aufgepasst hätten, als ihre Mütter ihnen die Sache mit der Sauberkeit erklärt hatten! Denn im Garten neben der neuen Bleibe war der Boden so lehmig und hart, dass das Verscharren des verstoffwechselten Futters echte Krallenarbeit war – das war nicht jederkatzens Sache. So geschah denn das Unvermeidliche: Der Rasenmäher kam und hintendran der schiebende Mensch – Patsch! “Bäh!!! So geht das nicht weiter! ” – das und mehr musste ich mir anhören. Und nu…???

Zwei Wochen später gab es kein Frühstück und als ich mit dem Abendessen kam und an den Katzen vorbei und wie die Rattenfängerin von Hameln lockend in einen anderen Garten, zwei Grundstücke weiter, ging, sind mir alle Katzen – Alfred und die anderen Mutigen voran – hinterher gelaufen, denn schließlich hatten sie ja Kohldampf.

Auf diese Art ist Familie Flohpopo also ins neue Paradies gekommen: ein Grundstück, ca. 4.500 m² groß, mit einem Stall und reichlich Unterschlupfmöglichkeiten. Ein ehemaliger Hühnerstall und ein alter Wohnwagen wurden kurzerhand in Katzenwohnungen umgebaut. Kein Hund oder fremder Mensch konnte hier stören, aber sie konnten jederzeit überall hin – auch in unseren Garten, das merkten die Nachbarn kaum.

Zwar gab es nur noch abends einmal Futter, aber davon dann reichlich. Und das mit der Fellmassage fanden auch immer mehr gut.


Ach ja, Namen haben sie natürlich auch bekommen:

Eule, Mimi, Tigerlili, Gertrud, Henry, August, Grisou, Murphy, Flo, Oskar, Näschen, Smiley, Ferdinand, Lieschen, Amanda, Frida, Alfred, Georgy, Turnvater Jahn, Fridolin, Buddy, Olivia, Lilo, Opa, Tom Tiger und Leonard.

Hier gibt ein paar der schönsten Schnappschüsse aus den 19 Jahren.

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